Spurensuche

Auf dem Flugplatz Werneuchen

Am letzten Sonntag habe ich mit dem Markus, meinem Cousin und bewandertem Militaria-Experten, einige interessante Stunden auf dem Flugplatz Werneuchen zugebracht – und nun auch die dabei entstandenen Fotos bei flickr online gestellt. Dieser Ausflug legte den Grundstein für die Planung weiterer Erkundungsstreifzüge, denn der Flugplatz hat eine interessante Geschichte:

Nachdem festgestellt wurde, dass Werneuchen durch hervorragende Aufwindverhältnisse sehr gute Voraussetzungen für den Flugbetrieb besitzt, wurde der Ort in der militärischen Standortplanung des Dritten Reiches berücksichtigt. Im Jahre 1935 kaufte die Wehrmacht unter anderem von den ortsansässigen Bauern große Flächen Land auf. 1936-37 wurde Werneuchen zur Garnisonsstadt ausgebaut. Als sehr gut ausgestattetes Vorzeigeobjekt wurde die Jagdfliegerschule “01″ des Deutschen Reiches errichtet.

Der Ausbau der Stadt brachte umfangreiche Straßen- und Gleisbaumaßnahmen, die Errichtung der militärischen Anlagen und einer Flugzeugwerft der Lufthansa (in welcher übrigens meine Großmutter arbeitete) sowie die Entstehung dreier Wohnsiedlungen, eines neuen Wasserwerks und eines Kinos mit sich.

Die Wohnsiedlungen unterteilten sich in eine Siedlung für die Offiziere, in der Beiersdorfer Straße unmittelbar in der Nähe des Bahnhofes, eine Unteroffizierssiedlung im Ortsteil Rudolfshöhe zwischen Wegendorfer- und Wesendahler Straße sowie die Siedlung für das technische Personal entlang der Sachsen- und Pommernstraße gleich am Flugplatzgelände.
Das an der Wesendahler Straße entstandene moderne Wasserwerk war für 15.000 Einwohner ausgelegt. Filmvorführungen in Werneuchen erhielten durch die Eröffnung der ALA-Filmbühne in der Berliner Straße ein festes Haus.

Am 27. November 1937 wurde die Werneuchener Garnision als eine der letzten im Deutschen Reich errichteten offiziell eingeweiht. Bis 1941 stieg die Einwohnerzahl Werneuchens auf 4.902 an. Oberstleutnant Osterkamp, der erste Kommandeur der Jagdpfliegerschulen “01″, wurde später zum General und Chef aller Jagdfliegerschulen der Wehrmacht berufen. Die Jagdfliegerschule Werneuchen bildete deutsche und ausländische Jagdflieger (u.a. aus Bulgarien und Rumänien) in 15 Schulstaffeln zu je 10 – 12 Flugschülern aus.

Was den Werneuchener Flugplatz besonder interessant macht, ist die Tatsache, dass während des Krieges neben der Flugplatzkommandantur und der Jagdfliegerschule noch eine Außenstelle des Reichsluftfahrtministerums zur Erprobung von Radarsystemen für die Nachtjagd eingerichtet und die Nachtjagdgruppe 10 zwecks Tests dieser Radarsysteme im Flug- und Kampfeinsatz stationiert wurde. Im Rahmen dieses Programms entstand auch der Weesower “Radarturm”, welcher in der örtlichen Bevölkerung fälschlicher Weise oft als “Flak-Turm” betrachtet wurde.

Die Zerstörung Werneuchens durch alliierten Bomber verhinderten Scheinflugplätze, Tarnung und Glück. Harry Maruffke, ein mutiger Werneuchener, verhinderte in letzter Minute die Sprengung des Flugplatzes durch ein Sprengkommando der Wehrmacht.

Nach dem Krieg wurden sowjetische Luftstreitkräfte in Werneuchen stationiert. Diese glaubten zunächst, das Gelände des Flugplatzes sei vermient und errichteten deshalb direkt an der Wegendorfer Straße einen Behelfsflugplatz. In der folgenden Zeit der sowjetischen Besatzung wurde der Flugplatz weiter ausgebaut. 1952 wurde die Start- und Landebahn durch die Bau Union Potsdam auf 2.500 m verlängert. Nun konnte jeder Flugzeugtyp in Werneuchen landen und starten.

Werneuchen wurde der Standort des Selbständigen Garde-Aufklärungs-Lufregiment, einer Eliteeinheit der sowjetischen Luftstreitkräfte, welche 1942 in Moskau – Wnukowo aufgestellt wurde. In den 1980er Jahren standen unter anderem 36 der modernsten Aufklärungsjagdbomber auf dem Gelände des nach dem Krieg deutlich vergrößerten Flugplatzareals. Die letzte Staffel MiG-Abfangjäger verließ Werneuchen im Mai 1991. Anschließend wurde hier noch ein ein sowjetisches Hubschrauberregiment stationiert. Im September 1993 endete die militärische Nutzung des Flugplatzes mit dem Abzug der letzten russischen Militärangehörigen.

[Quelle u.a. Hans-Joachim Spiegel, Historiker und Geschichtslehrer aus Werneuchen]

Update: Siehe auch Spurensuche II über unseren Besuch auf dem Flugplatz Oranienburg (ehem. Werksflugplatz der Heinkel-Werke).

2 Kommentare

  1. Pingback: RENEMT_DE » Google Maps - Bastelprojekt