Am Samstag Nachmittag begab ich mich zusammen mit meinem militärhistorisch bewanderten Cousin Markus auf einen unserer Erkundungs-Ausflüge auf den alten Flugplatz Oranienburg. Leider gibt es hier wohl weit weniger zu entdecken als auf dem Flugplatz Werneuchen, über den ich ja kürzlich berichtete. Nichts desto Trotz ist auch die Geschichte des Oranienburger Flugplatzes interessant:
Ernst Heinkel (1888-1958) gründete im Jahr 1922 die Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Warnemünde. Hier konstruierte seine Firma zwischen 1922 und 1945 mehr als 100 Flugzeugtypen und entwickelte sich zum größten Industriebetrieb in Mecklenburg. Ab 1935 unterstützten die Heinkel-Werke das Heereswaffenamt. Das Unternehmen hatte einen ziemlich guten Ruf, der unter anderem darauf beruhte, dass hier im Vergleich zu anderen Industriebetrieben in der Regel überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt wurden.
Die Warnemünder Werke stießen in den 1930er Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Serienpoduktion neu konstruierter Flugzeugtypen musste daher in ein neues Werk verlagert werden. Allerdings gab es eine Reihe Anforderungen, welche der neue Produktionsstanort zu erfüllen hatte: Es musste ausreichend freies Bauland zur Verfügung stehen, um zusätzlich zum eigentlichen Flugzeugwerk auch einen Werksflugplatz errichten zu können. Außerdem war eine gute infrastrukturelle Anbindung an das Straßen-, Bahn- und Wasserwegenetz notwendig. Die Suche und Auswahl des neuen Standortes übernahm das Reichsluftfahrtministerium.
Die Wahl fiel dabei auf die in unmittelbarer Nähe der Reichshauptstadt Berlin liegende Stadt Oranienburg, genauer gesagt auf Flächen östlich des Stadtgebietes, zwischen Oranienburg und der Ortschaft Leegebruch. Die Anbindung des Standortes an das Stadtzentrum erfolgte über die neu errichtete "Heinkel-Chaussee". Arbeitskräfte für Anlerntätigkeiten konnten zur genüge vor Ort gewonnen werden, Spezialisten wurden gezielt im gesamten Reich angeworben. Sowohl in Oranienburg als auch in Leegebruch entstanden für die Belegschaft der Werke neue Wohnsiedlungen.
Der Bau der Oranienburger Heinkelwerke und von Teilen der Wohnsiedlungen erfolgte von 1936 bis 1939 nach Plänen des Architekten Herbert Rimpl. Am 03.März 1937 berichtete der Oranienburger Generalanzeiger über die Eintragung der Werke in das Handelsregister.
Ursprünglich sollte das Oranienburger Werk nur der Serienfertigung der zweimotorigen He 111 dienen, welche als Passagier- und Frachtflugzeug für die Lufthansa konstruiert worden war. Alledings folgte später die Fertigung einer als mittlerer Bomber ausgelegten, militärischen Version für die Luftwaffe. Der erste in Serie gefertige Bomber lief am 4. Mai 1937 vom Band. Eine bedeutende Innovation der Luftfahrt stammt ebenfalls aus Oranienburg: Der deutsche Physiker Hans Joachim Pabst von Ohain entwickelte in den Heinkel-Werken das erste einsatzfähige Strahltriebwerk der Welt. Dieses wurde im Düsenflugzeug He 178 erfolgreich eingesetzt. Der Erstflug einer strahlgetriebenen He 178 fand am 27. August 1939 statt. Später wurde unter anderem auch der schwere zweimotorige Bomber He 177 in Serie gebaut.
Am 18. April 1944 wurden die Heinkel-Werke Oranienburg, welche zu diesem Zeitpunkt etwa 14.500 Menschen beschäftigten, durch etwa 260 amerikanische B-17-Bomber angegriffen. Deutschen Aufzeichnungen nach kamen dabei 355 Sprengbomben (35 davon mit Langzeitzündern) und 1275 Brandbomben, davon 75 Blindgänger zum Einsatz. Das Werksgelände, eine Starkstromleitung und eine Flak-Unterkunft sowie viele Wohnhäuser in Oranienburg und Leegebruch wurden getroffen. Der deutschen Flak gelang es mehrere Bomber abzuschießen und ca. 90 zu beschädigen. Am 10. April 1945 erfolgte ein weiterer Angriff durch 139 amerikanische B-17 Bomber, durch welchen der Flugplatz vollständig zerstört wurde.
Die noch intakten Anlagen der Heinkel-Werke wurden nach dem Krieg durch die russische Besatzungsmacht demontieren. Aus ungeklärten Gründen fiel die Einfliegehalle allerdings nicht der Demontage zum Opfer. Der Werkflugplatz wurde dann bis 1994 von den sowjetischen Luftstreitkräften genutzt. Hier waren Iljuschin IL-28-Bomber, Transportflugzeugen vom Typ Antonow An-8 sowie Transporthubschrauber der Tpyen Mil Mi-2, Mi-6, Mi-8 und Mi-24 stationiert.
Ende der 1990er Jahre begann die Umgestaltung des südlichen Teils des ehemaligen Werksflughafens in ein Gewerbegebiet. Weiterhin wurde die neue Bundesstraße B96 über Teile des Rollfeldes gebaut. Momentan finden weitere Abtragungsarbeiten statt.
Die fotografische Dokumentation des Ausfluges findet sich wie immer bei flickr.

gute geschichte^^
echt intressant … ich werde es weiter verfolgen ^^