Wie ihr ja merkt ist hier momentan ein bisschen Ebbe. Die Entschuldigung dafür: Ich werkel hinter den Kulissen von BlogFinanzen und plane nebenbei das nächste Projekt. Weiterhin gibt es bei meinem Hauptarbeitgeber genügend zu tun, das Redesign des Blogs will projektiert werden und außerdem hab ich an den letzten Wochenende mit meiner Schwalbe zu tun gehabt.
Als Entschädigung deshalb ein paar Worte zu dem guten Stück (Bilder gibts die nächsten Tage erst):
Vor etwa zwei Jahren, als sich die Benzinpreise deutlich der EUR 1,50 – Marke näherten, kam der Gedanke auf, dass so ein Moped ja sprit-technisch um Längen günstiger wäre als mein Auto. Auch, wenn sechs Zylinder und Klimaautomatik ihren Reiz haben. Allerdings kostet ein geeignetes Zweirad durchaus erstmal ein paar hundert Euro – und dann fahren die neuen Plaste-Bomber (normaler Weise) nur 45km/h. Da muss man ja auf der Straße um sein Leben fürchten! Die einzig brauchbare Alternative somit: Eine "Simme". Allerdings kostet ein gutes Exemplar momentan auch ab etwa EUR 450,- bis in den deutlich vierstelligen Bereich.
Eines Tages im Herbst vor zwei Jahren meinte Schwiegervater dann bei einem Bierchen zu mir: "Da hinten, im Garten, beim Schuppen, unter der Plane, da steht noch die alte Schwalbe von Thomas [Anm. des Bloggers: Seinem Sohn]. Man könnte ja mal schauen, ob man die flott kriegt…" Gesagt, getan. Im Winter des selben Jahres nahmen wir uns die Schwalbe also vor. Schön war sie nicht: In stumpfem Schwarz lackiert, neongelber Lampenring, viel Rost. Auch sponn der Motor beim Fahren regelmäßig und die Kiste bockte wie ein Bulle beim Zureiten. Schwiegervaters Devise bei der Arbeit lautete: Ein Bier, eine Kippe, ein Arbeitsschritt am Moped. Da ich vorher jedoch noch nie irgendwas mit motorisierten Zweirädern zu tun hatte (auch nicht in meiner Jugend) ging die Arbeit so wenigstens in einem zwecks Nachvollziehen und Einprägen sehr günstigen Tempo vonstatten. Nach der Winterpause hatten wir sie dann soweit, dass man einigermaßen damit fahren konnte. Allerdings spukte es in der maroden Elektrik, der Motor ölte an allen Ecken und Enden – und hässlich war sie immer noch. So freundete ich mich mit dem Gedanken an, doch mehr als nur das Notwendigste an dem guten Stück zu machen – hauptsächlich, um die Zuverläsigkeit zu erhöhen und den vielen Ölflecken entgegen zu wirken. Und da sich "Simme-Basteln" für mich als ein sehr befriedigendes Hobby und einen guten Ausgleich zur Arbeit am Rechner herausstellte.
Alles begann mit einem "neuen" S51-Motor. Der Originalmotor war nicht dicht zu kriegen – und außerdem hätten einige Teile (z.B. die Kurbelwelle und die Lichtmaschine) gewechselt werden müssen. Da hätte ich preislich schon auf dem Niveau des neuen Motors gelegen. Den alten Dreigang-Motor verkaufte ich also für EUR 110,- bei eBay und erstand ebenda für EUR 130,- einen Viergang-Motor in wesentlich besserem Zustand. Der lief um Längen zuverlässiger als der alte. In der Elektrik spukte es allerdings immer noch. Das änderte sich erst, als ich Zündschloss und Ladeanlage wechselte, marode Kabel ersetze und alles, was falsch angeklemmt war, an die richtige Stelle steckte. Außerdem wurde der Auspuff kunstgerecht freigebrannt. Nun lief die Schwalbe einigermaßen. Allerdings nur knapp 50km/h und häßlich war sich immer noch (was vermutlich aber das Diebstahl-Risiko senkt). Weiterhin war es inzwischen schon wieder Herbst – und trotzdem man auf der Schwalbe relativ trocken und sauber fahren kann ging die Saison dafür doch langsam zu Ende. Und so recht über den Weg traute ich ihr in Punkto Zuverlässigkeit immer noch nicht, mehr als "Testfahrten" am Wochenende waren nicht drin.
Inzwischen hatte ich den Flori auch mit der Simme-Geschichte angesteckt, besonders, nachdem ich ihm erklärte, dass er mit seinem neumodischen Autoführerschein trotz allem auch die für 60km/h zugelassenen Ost-Mopeds fahren durfte. Flori ergatterte bei eBay eine einigermaßen gut aussehende S51 zu einem akzeptablen Preis – und war damit relativ glücklich. Allerdings stellte sich heraus, dass viel vom guten Aussehen durch neuen Lack kam und technisch die eine oder andere Reparaturmaßnahme empfehlenswert war. So schmiedeten wir den ultimativen Masterplan: Im Februar schickten wir unsere Motoren samt kompletten Lager- und Dichtungssätzen zu Zweirad-Steinberg, der ausgesprochen nett, hilfsbereit und kompetent ist und Motorüberholungen zu konkurrenzlos günstigen Preisen anbietet. Außerdem zerlegten wir unsere Mopeds komplett, entfernten Rost, lackierten sie neu und tauschten defekte Teile aus. Bei der S51 waren das weniger, bei der Schwalbe schon etwas mehr:
- Vergaser
- Kupplungs- / Vorderradbrems-Amaturen
- Gasgriff
- Tacho
- Bowdenzüge/Tachowelle
- Sozius-Fußrasten
- Simson-Warenzeichenplakette am Lenker (ganz wichtig
) - Tank
- Benzinhahn
- Sitz
- Parkleuchte
- Trittbretter
- Jede Menge Schrauben und Muttern, die ihre verrosteten Vorgänger ersetzten
- u.v.a.m.
Nach einigen Problemen (verrosteter Tank, verstopfter Vergaser, defekter Kondensator in der Zündung, Vergasereinstellung etc.) war es dann am letzten (Grün-)Donnerstag soweit: Nach der Arbeit eine erste Probefahrt über 20km. Problemlos. Am Ostermontag dann die Überführung vom Flori aus Birkenwerder (unserem Winter-Bastelquartier) zu mir nach Hennigsdorf auf den Hof der Wohung. 10km – problemlos. Gestern Abend noch eine kurze Spritztour – problemlos. Heute dann das erste mal zur Arbeit, ca. 17km, denn das soll ja die wahre Bestimmung des Gefährts werden.
Nach ungefähr der Hälfte der Strecke, mitten im Wald in Berlin zwischen Heiligensee und Tegel, fing sie an zu stottern. Zündaussetzer bei Vollgas. "Na Klasse", dachte ich. " Fast 50km Probefahrten und jetzt will sie hier verrecken!?" Und überschlug: ca. 10km in beide Richtungen zu schieben – müsste ja in guten drei Stunden erledigt sein. Mit etwas weniger Gas setzte ich die Fahrt mit ziemlich flauen Gefühl erstmal fort. Die Zündaussetzer verschwanden nach einiger Zeit wieder und ich kam wohlbehalten in der Firma an. Gerade wollte mir ein Stein vom Herzen fallen, da schlenderte ein Beamter vom ebenfalls dort vor Ort ansässigen Polizeiabschnitt 35 Berlin-Wedding zu mir. "Moin!" sagte er. "Welch schöner Roller! Aber kann es sein, dass ich da gar kein Kennzeichen dran gesehen habe?" "Kann eigentlich nicht sein," dachte ich, "das hab’ ich vor drei Wochen selbst festgeschraubt. Und zwar sehr gut." Allerdigs belehrte mich ein Blick ans Heck der Schwalbe, dass das Kennzeichen tatsächlich fehlte. "Ist bestimmt abgefallen." meinte der Beamte. "Nee," sagte ich, "das war fest. Lange Schrauben, die fest in den Bohrungen saßen, und Muttern, die mit Kontermutter gesichert waren. Wenn das abgefallen ist fress’ ich einen Besen. Das muss man mir also zwischen Ostermontag und heute direkt unter dem Fenster auf dem Hof geklaut haben!" Schweinerei! Also hab ich heute morgen gleich mal entsprechend Anzeige erstattet, das Schild wurde zur Fahndung ausgeschrieben und von der Versicherung bekomme ich in den nächsten Tagen ein neues Kennzeichen. Kostenlos, zum Glück.
Und du Sack, der hier in Hennigsdorf mit dem Schild rumfährt: Ich hoffe, die Bullen netten Beamten erwischen dich! Achso: VZA.313 lautet das Kennzeichen übrigens, nur, falls das einer sehen sollte
Nach der Arbeit schwang ich mich dann – ob der Zündaussetzer auf der Hintour – wieder mit etwas flauem Gefühl auf meinen Feuervogel und trat die Heimreise an. Die verlief allerdings problemlos. Kein Stottern, kein Ausgehen, nix.
Und ich habe sogar noch so nen 45km/h Plaste-Bomber platt gemacht
War nett zu lesen, musste sehr schmunzeln!
Habe selbst auch eine Schwalbe, die ich auch über 2 Jahre hinweg komplett neu aufgebaut hatte.
Allerdings ist meine jetzt sehr zuverlässig, was sich über Ostern als sehr nützlich erwiesen hat, denn wir haben – zu zweit auf einer Schwalbe – einen Höllenritt nach Rügen gemacht. 600km hin und 600km zurück – einfach Hölle im Nachhinein.
Das beste war jedoch, meine schwalbe hatte nicht einen einzigen Murks von sich gegeben, alles glatt gelaufen.
p.s. meine läuft ein wenig schneller als normal, so 75kmh auf grader strecke mit 2 mann war auf dem trip meist unsere reisegeschwindigkeit!
Glückwunsch zu dem guten Stück
Ich hatte letztens anscheinend die letzten Probleme mit dem letzten Rest Dreck im Tank, den ich nich herausbekommen habe. Die Folge: Zündaussetzer. Vergaser gereinigt, Leitungsfilter verbaut – nu gehts wieder.