Ich sitze hier, am Samstag morgen, und hacke (nach längerer Zeit) diese Zeilen in mein Blog. Was daran jetzt so außergewöhnlich sein soll?
Ich sitze an meinem Laptop, auf dem Linux läuft
Nein, ich werde jetzt nicht der Microsoft-Welt abschwören (zumindest nicht komplett), und auch statt “richtigem” .NET nur noch Mono machen. Die Geschichte geht so:
Dass ich mich mit Linux eingehender beschäftig habe ist schon etwas her. Klar lese ich im Netz und in der Fachpresse öfter mal interessante Sachen – aber dabei schwingen immer solche Gedanken mit wie “Wer MACHT sich denn so ein Stress? Ich nehm einfach Windows (-Server) und gut ist!” Das ist auch die schöne Realität in der Firma – aber außerhalb sieht das natürlich etwas anders aus, hauptsächlich weil alles Gute von Microsoft auch gut Geld kostet. Linux testete ich daher vor etwa 10 Jahren etwas ausgiebiger, und dann nochmal während meiner Studienzeit. Ergebnis damals: Ganz nett teilweise – aber richtig sinnvoll nur für Nerds, da es noch zu viele Probleme gab.
Nun arbeite ich, abseits der Firma, an einem neuen Web-Projekt, und zwar mit mehreren Leuten. Für die verteilte Entwicklung ist natürlich ein zentrales Sourcecode-Repository so ziemlich unerlässlich. Und viel Geld kosten sollte das auch nicht. Wir setzen Subversion ein, mit dem ich in der Firma schon sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Um einen entsprechenden Server aufzusetzen brauche ich dort quasi administrativen Vollzugriff, um die Konfiguration funktionstüchtig einzurichten. Webhosting scheidet somit quasi komplett aus, und managed Server kosten Geld.
Allerdings habe ich noch meinen guten, alten Laptop ‘rumliegen. Einen 2001er Dell Latitude CPxH, Pentium III 450MHz, 256MB RAM, 30GB HD, Xircom RBEM100-56G PCMCIA-Netzwerkkarte. Stromverbrauch ohne Akku: Knapp 20 Watt mit eingeschaltetem Display, ohne sogar weniger. Außerdem haben wir bei Flexstrom ein 2.400kWh-Ökostrom-Paket gebucht, bleiben aber beim Verbrauch wohl deutlich darunter, nämlich bei etwa 1.500 bis 1.800kWh. Wenn der Laptop-Server nun 24/365 durchliefe wären das wohl max. 200kWh im Jahr. Somit entstand die Idee, auf dem Laptop einen Linux-basierenden Subversion-Server zu installieren.
Allerdings klingt das einfacher, als es war
Zunächst einmal war das Original-CD-ROM-Laufwerk defekt. Ich konnte also keine Systeminstallation von CD booten. Und da sowohl CD als auch Disketten-Laufwerk bei diesem Notebook Wechsellaufwerke sind, die in ein und den selben Schacht kommen, erwies sich die Idee, von Diskette zu booten und dann die CD zu mounten auch als etwas schwierig. So entschloss ich mich, noch einmal EUR 30,00 in meine antiquarische Rechenmaschine zu investieren und kaufte ein neues CD-RW/DVD-ROM-Laufwerk. Die nächste Hürde: Das passte nur prinzipiell ins Wechselgehäuse. Das Problem war die Frontblende. Die Original Dell-Blende passte nicht aufs neue Laufwerk und die neue Blende war zu breit für den Laufwerkskäfig. Da dieser aus Kunststoff besteht und ich auch Besitzer eines Cutter-Messers bin wurde er kurzerhand zurechtgeschnitten. Sieht nicht mehr unbedingt original aus, aber dafür passt das Laufwerk.
“Puh”, dacht ich, “das Schmlimmste ist überstanden. Nur noch schnell installieren.” Denkste. Beim Selbsttest nach dem Einschalten meldete das Notebook: “Ich kann das Laufwerk im Wechselschacht nicht erkennen!” – und ließ sich nur noch herunterfahren. Die Linux-Installation von CD zu booten schied also aus. Damit flog auch der erste dafür auserwählte Kandidat aus dem Rennen: Der Debian-basierende c’t-Server ließ sich nur von einer Boot-CD starten – und erkannte außerdem die Xircom-Netzwerkkarte nicht. Auf dem Notebook befand sich noch eine Windows-Installation – und unter dieser funktionierte das CD-Laufwerk problemlos. Das machte Hoffnung und legte folgende Strategie nah: CD-Laufwerk entfernen, Notebook starten, nach dem Selbsttest Laufwerk wieder einsetzen. Mit booten von CD/DVD war da zwar immer noch nix mehr, aber nutzen konnte man das Laufwerk wenigstens ansonsten.
Jetzt lud ich mir openSUSE 10.3 herunter. Und welche Freude: Da gibt es einen Windows-Installer. Man kann die Installation unter Windows anstoßen, neu starten und dann weiter installieren. Und das funktionierte auch mit der zurecht gelegten CD-Laufwerks-Strategie problemlos. Weiterhin erkannte SUSE auch die Xircom-Netzwerkkarte: Während des Setups synchronisierte sich das Notebook bereits mit einem NTP-Server im Internet. Klasse!
30min später war die Freude allerdings nicht mehr los: Obwohl das System zwar die Netzwerkkarte erkannte und korrekt für DHCP konfiguriert war erhielt die Karte keine IP-Adresse und der Netzwerk-Zugriff war somit unmöglich. Und zwar schon während des letzten Teils des Setups, als eigentlich online nach Updates gesucht werden sollte. Nach einer Nacht drüber schlafen dämmerte mir eine Lösung: Beim Setup konnte man für die Konfiguration der Netzwerkkarte zwischen “User Controlled with Network Manager” oder “Traditional Method with ifup” wählen. Ich, ganz dem Fortschritt huldigend, wählte natürlich den Network Manager. Als ich dann im Yast-Control Panel auf “ifup” umstellte hatte ich auch eine funktionierende Netzwerkverbindung.
Der Rest war dann schnell erledigt: Den SSH-Dämon konfigurieren, bei opensuse.org das Subversion-Paket herunterladen und installieren, Repository-Ordner anlegen und Rechte setzen. Nun läuft bei mir ein knapp 20W verbrauchender Subversion-Server mit für den derzeitigen Umfang des Projekts völlig ausreichender Performance.
Weiterhin muss ich feststellen: Sofern man nicht auf irgendwelche Windows-Programme unbedingt angewiesen ist, ist so ein Linux als Betriebssystem völlig ausreichend. OpenSUSE mit KDE als Desktop sieht meiner Meinung nach super aus, ist XP bedientechnisch teilweise deutlich voraus, fühlt sich selbst auf meiner alten Hardware agil an und läuft stabil und zuverlässig mit der gesamten, vorhandenen Hardware. Hätte ich noch OpenOffice sowie die Multimedia-Komponenten installiert hätte ich vermutlich ein ziemlich vollwertiges Desktop-System. Eigentlich sehe ich nur bei zwei Punkten Schwierigkeiten für einen konsequenten Linux-Einsatz:
1. Ich bin Gamer – die meisten aktuellen Spiele gibt es nun mal auf Windows/DirectX-Basis
2. Ich bin auf bestimmte Windows-Software angewiesen. Stichwort: Visual Studio / .NET-Entwicklung
Aber ggf. lässt sich hier ja auch eine Lösung in Form von Emulatoren/APIs (Wine) oder dem Einsatz einer VM finden.



25. November 2007 um 19:36
Ein Blogger aus meiner Umgebung, hätte nicht gedacht das es sowas gibt! Viel Spaß weiterhin beim Bloggen!
27. November 2007 um 20:46
Ja, hier ist zwar Blog-Diaspora aber ich geb mir Mühe