Boris Gloger, der mein Certified Scrum Master – Training durchgeführt hat, sagte zwei Dinge, die mir im Ohr geblieben sind.
“Als Scrum Master muss man sich mental von seinem Job verabschieden – erst dann kann man wirklich effizient arbeiten.”
und
“Scrum löst keine Probleme in einem Unternehmen – es macht sie nur sichtbar.”

(Von Stephan’s Place @ flickr)
Heute gab es für alle Mitgliedern der Entwicklungsabteilung Feedback-Gespräche in der Firma. Mit unserem Abteilungsleiter (der gleichzeitig auch PO ist) und unserer Human Resources – Verantwortlichen. Im Grunde sehr positiv, ich machen anscheinend einen guten Job
Bermerkenswert war jedoch das HR-Feedback: Da waren einige Dinge auch etwas negativ aufgefallen.
Interessanter Weise sind die bemängelten Umstände direkte Auswirkungen des Fakts, dass ich mich bemühe – spätestens seit dem CSM-Training – den Scrum Master auch konsequent zu leben. Als Scrum Master ist man quasi ein Schäferhund: Man hält sein Team zusammen und treibt es in die richtige Richtung – man verteidigt es aber auch nach außen. Leistet das Team gute Arbeit braucht es sich keine Vorwürfe gefallen zu lassen. Arbeitet das Team hochkonzentriert darf man es nicht mit – natürlich immer “extrem wichtigen”, aber tatsächlich nicht kritischen – Fehler und Wünschen aus seinen Aufgaben reißen. Das senkt die Performance, weil die Entwickler umdenken müssen, um sich mit dem neuen Problem zu befassen.
Natürlich bedeutet das eine Umgewöhnung für alle Beteiligten. Früher kam jeder Anwender (und auch der CEO) mit Fehlern und Wünsche direkt zum ihm verantwortlich erscheinenden Entwickler. Heute muss er damit zum Scrum Master oder Product Owner, bekommt sogar einen Rüffel, wenn er sich nicht daran hält. Und Wünsche werden – im Gegensatz zu Fehlern – auch nicht mehr sofort berücksichtigt, sondern vor dem Hintergrund des Geschäftswertes bewertet und priorisiert.
Außerdem fordert Scrum Konsequenz. Es gibt nur eine Hand voll fester Rituale, mit festen Terminen und harten Timeboxen – und die sind von allen Beteiligten unbedingt einzuhalten. Es sei denn die Firma brennt. Sofern das Umfeld bis dato Pünktlichkeit bei Meetings und Konsequenz in deren ungestörter Durchführung eher als verhandelbar betrachtete erfordert natürlich auch das ein Umdenken.
Letztendlich steckt jedoch hinter den Scrum-Prinzipien ein ganz einfacher und verständlicher Zweck: Die (teure) Arbeitszeit der Entwickler optimal zu nutzen und nicht zu verschwenden. Eine konsequente Verfolgung dieser Ziele sollte daher jeder Firma Jubelschreie entlocken.
Letztendlich gibt es so etwas wie “ein bisschen Scrum machen” nicht. Entweder, die Firma steht vollkommen dahinter – oder sie macht kein Scrum.
Hi, was waren denn die bemängelten Dinge von HR? Würde mich interessieren.
Danke, dass du versuchst umzusetzen, was ich im Training erzählt habe.
lg und eine schöne Weihnachstzeit.
Boris
Hi Boris,
entschuldige die späte Antwort – aber mich hatte es die letzte Zeit gesundheitlich & stresstechnisch ganz schön erwischt
Bemängelt wurde hauptsächlich mein deutlich offensiveres und kompromissloseres Auftreten, wenn es darum ging, das Team nach außen zu verteidigen. Unsere Entwickler arbeiten nämlich wirklich gut und brauchen sich daher keinerlei ungerechtfertigte Kritik anzuhören – meiner Meinung nach. “Tue gutes und rede darüber”.
Außerdem fiel noch auf, dass es plötzlich Sachen wie feste “Team-Termine”, während derer Störungen nicht mehr erwünscht waren, gab (z.B. der Daily Scrum) – das war vorher auch nicht unbedingt so, da wurden Störungen (“Ich hab hier ein Fehlerchen…”) toleriert.