Scrum of Scrums im Produktmanagement

Arbeiten mehrere Scrum-Teams parallel an der Entwicklung eines “Gesamtproduktes”, so wird in der Regel Scrum of Scrums als Skalierungsmodell empfohlen. Klassischer Weise ist dieser Ansatz ziemlich entwickler-zentriert: Jedes Team entsendet einen Entwickler in das Scrum of Scrums – Standup, um dort hauptsächlich Überschneidungen bei der Arbeit am Code sowie Integrationsthemen zu thematisieren.

Meiner Erfahrung nach ist jedoch die Synchronisation der Entwicklerteams oftmals nicht so problematisch. Durch direkte Kommunikation (deutlich erleichtert durch räumliche Nähe der Teams) und horizontalen Informationsaustausch z.B. im Rahmen von Communities of Practice sind erfahrene Teams sehr gut in der Lage, Synergiepotentiale autonom zu erkennen und Probleme proaktiv auf dem “kleinen Dienstweg” zu lösen.

Wesentlich notwendiger erscheint oftmals eine Synchronisation des Produktmanagements. Mehrere Product Owner betreuen viele parallel laufende Projekte, deren Priorisierung sich auch kurzfristig noch ändern kann. Der dadurch entstehenden, relativ hohen Arbeitsbelastung fällt häufig die Kommunikation der Product Owner untereinander zum Opfer. Stakeholder, Management und Entwicklerteams, Ideen, Konzeptionen und laufende Implementierungen lassen wenig Raum zur Abstimmung untereinander. Sicherlich wird bei Bedarf (sprich: Problemen) kommuniziert. Aber institutionalisierte Synchronisationsprozesse fehlen oft. Die Folge: Hohe Reibungsverluste, verschenkte Synergiepotentiale, verminderte Produktivität – da können die Entwickler noch so gut performen.

Abhilfe kann hier die Einführung eines Scrum of Scrums auf Product Owner – Ebene schaffen: Es wird ein regelmäßiges Standup eingeführt, analog zu den Daily Scrums der Entwickler-Teams, an dem alle Product Owner teilnehmen und welches Projektfokus (und nicht Task-Fokus) hat. Hier werden die Fortschritte der laufenden oder in der Konzeptphase befindlichen Projekte, mögliche Überschneidungen mit den Aufgabengebieten anderer Teams sowie Hindernisse und Probleme thematisiert. Anders als im Daily Scrum der Entwickler sollten Probleme hier nicht nur zur Kenntnis gegeben, sondern möglichst auch gleich besprochen werden. Daher ist es sinnvoll, für dieses Standup eine Dauer von 30 – 60 Minuten einzuplanen, auch, wenn es oftmals früher beendet sein wird. Die Frequenz sollte nach Bedarf gewählt werden. Es ist vermutlich nicht notwendig, sich täglich zu treffen, aber zwei bis drei Standups pro Woche erscheinen, gerade vor dem Hintergrund der Beseitigung von Hindernissen, angebracht.

Wichtiges Hilfsmittel: Ein gemeinsames Projekt-Taskboard, aus welchem Status und Fortschritt der aktuell und kurzfristig laufenden und geplanten Projekte sowie Impediments ersichtlich sind. Dieses Taskboard sollte auch dazu dienen, gegenüber dem Management jederzeit schnell und unkompliziert Transparenz in die tägliche Arbeit zu bringen. Die Team-Taskboards sind dafür in der Regel zu feingranular und meist auch dezentralisiert – was die Aggregation eines Gesamtbildes nicht gerade erleichter.

Ein weiteres sinnvolles Artefakt bei der Synchronisation auf Produktmanagement-Ebene ist ein gemeinsames, priorisiertes Company-Backlog. Außerdem sollten auch regelmäßig Product Owner – Retrospektiven durchgeführt werden, unabhängig von den Retrospektiven der Entwickler-Teams. Die PO-Retrospektiven behandeln zum einen den Aspekt der Zusammenarbeit der Product Owner untereinander und zum anderen die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern, wozu diese ebenfalls eingeladen werden.

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